top of page
  • AutorenbildBernhard Lermann

“Legacy-Software geht an der heutigen Realität vorbei”

Apaleo-Gründer Ulrich Pillau verrät im Interview, wie moderne Technologie den Fachkräftemangel kompensiert

“Legacy-Software geht an der heutigen Realität vorbei”

Herr Pillau, wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung bei Investitionen in die Digitalisierung von Hotelbetrieben?

Ulrich Pillau: Investitionen müssen heute noch besser durchdacht sein. Mit Personal kann man aktuell in der Hotellerie kaum rechnen, es ist sehr schwer, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. In den letzten Jahren haben alleine in Deutschland ca. 800.000 Menschen der Hotelbranche als Arbeitgeber den Rücken gekehrt, die meisten werden auch nicht mehr wiederkommen. Also muss man jetzt schauen, wie man Prozesse besser automatisiert und das geht oft über Digitalisierung. 

“Wenn ich heute neue Mitarbeiter an Bord bekommen will, dann muss ich ihnen auch die technologischen Möglichkeiten anbieten, intelligent, schnell und einfach zu arbeiten." Ulrich Pillau ist Gründer und Geschäftsführer von Apaleo
Ulrich Pillau ist Gründer und Geschäftsführer von Apaleo

Durch Corona waren Betriebe dazu gezwungen, effizienter zu werden. Am erfolgreichsten durch die Krise gekommen sind diejenigen Hotels, die bereits vorher schon in dieser Richtung gut aufgestellt waren. Der Erfolg hat ihnen recht gegeben und sie treiben das nun weiter sehr erfolgreich voran. Und dann sind da noch diejenigen Betriebe, die durch Corona erkannt haben, dass jetzt mit dem Aufschwung der Zeitpunkt gekommen ist, die Digitalisierung anzupacken. Sie wissen, dass sie sonst größere operationelle und wirtschaftliche Probleme bekommen werden. Von dieser Kundengruppe kommt derzeit das größte Interesse daran, wirklich digital zu werden.

Übrig bleiben die Betriebe, die sich damit zufriedengeben, wie es jetzt läuft. Ihnen reicht es, dass die Raten und die Belegungen wieder langsam auf Vor-Corona-Niveau steigen, sie machen genauso weiter wie vorher. Das könnten aus meiner Sicht die größten Verlierer sein, an denen die anderen in vieler Hinsicht vorbeiziehen werden. Darunter auch viele etablierte Hotelketten, von denen einige durch Corona tatsächlich wenig gelernt haben und die oft  bereits stark kämpfen. Diese Betriebe machen einen bedeutenden Prozentsatz des Hotelmarktes im DACH-Raum aus. Und es trifft auch viele inhabergeführte kleinere Hotels oder einzelne Hotels, die oft nicht verstehen, wie sie digitalisieren sollen oder denen dazu die Kenntnisse und die Ressourcen fehlen. 

Was ist das momentan größte Versäumnis, das Sie bei inhabergeführten Hotels sehen?

Ulrich Pillau: Meistens ist es Angst vor der Technologie, was durchaus verständlich ist. In den letzten 30 Jahren wurde so viel Software für die Branche entwickelt, dass viele Betriebe das als eine riesige Barriere wahrnehmen und sich nicht trauen, neue Tools auszuprobieren, und das ist der größte Fehler. Andere vertrauen noch auf Software, die bereits vor 20 Jahren entwickelt wurde. Doch heute verstehen wir unter effizienter Cloud Software etwas ganz Anderes. Nicht nur die inhabergeführten Hotels, sondern eigentlich alle - auch viele Hotelgruppen - sollten mehr Mut und mehr Risiko zeigen, wenn sie nicht abgehängt werden wollen. 

Was könnte man denn tun, um bei solchen Hotels eine Veränderung herbeizuführen?

Ulrich Pillau: Eine Seite ist sicherlich die Weiterbildung der Hoteliers, um auf den Stand der heutigen Technologie zu kommen. Und das führt gleich zum zweiten Punkt: Software- und Technologieanbieter sollten es den Hotels und den Hotelketten wesentlich einfacher machen, digitale Lösungen und Prozesse zu implementieren und auszuprobieren.

Viele Legacy-Software-Systeme sind einfach zu archaisch und geschlossen. Die Angst vor Komplexität ist also nicht ganz unbegründet. Die modernen Plattformen-Anbieter und die innovativen Apps auf dem Markt sind sehr viel einfacher einzusetzen und haben eine steile Lernkurve. Das muss besser kommuniziert werden. Mit den heutigen Plattformen kann man viele Apps einfach ausprobieren, ohne sich gleich vertraglich fest oder auf längere Zeit zu binden.

Welchen Hebel können Hotelketten oder auch inhabergeführte Hotels jetzt ansetzen, wenn sie merken, dass Gäste ausbleiben oder wenn sie technologisch mithalten wollen? 

Ulrich Pillau: Man sollte sich zu Beginn das Gesamtbild seines Hotels oder der Hotelkette in dem jeweiligen Segment und für seine Zielgruppen an Gästen analysieren. Und sich dann für eine Plan entscheiden, der einen innerhalb eines Zeitraumes an einen Punkt bringt, um im aktuellen Markt bestehen zu können. Um das Produkt herum plant man die digitale Gästereise und für jeden Aspekt stellt man die dafür notwendigen Tools zusammen, die auch zu den Betriebsabläufen passen. Und das am besten zu 100 Prozent und nicht nur zu 70 oder 80 Prozent. Auch wenn man z.B. im ersten Schritt vielleicht noch nicht alle Schlösser automatisiert, in der Planung sollte das auf alle Fälle schon berücksichtigt werden.  

Zu welchen Maßnahmen raten Sie Hotelbetrieben, um den Fachkräftemangel in der Hotellerie zu kompensieren?

Ulrich Pillau: Am besten fragt man sich: Wo verbringen Mitarbeiter offensichtlich sehr viel Zeit an Dingen, die durch Technologie besser und schneller abgebildet werden können? In den meisten Hotels beschäftigen sich die Mitarbeiter an der Rezeption oft mit der Bedienung der Hotelsoftware selbst und etlichen Prozessen, die einfach nur Zeit kosten und den Gast in der Schlange halten. Die meisten davon kann man auf einfachste Weise heutzutage über Technologie abbilden. Viele Gäste würden z.B. die Registrierung liebend gerne schon vorher im Taxi oder im Zug selbst erledigen, um dann im Hotel schnell aufs Zimmer zu kommen. Selbst Meldescheine oder der Check-in sind heute digital möglich. Diejenigen, die sich an der Rezeption über Restaurants oder andere Angebote in der Umgebung informieren wollen, treffen idealerweise auf einen Ambassador oder auf einen Front Desk-Mitarbeiter, der sich dann wirklich um die Gäste kümmern kann. Auch den Fachkräftemangel kann man so kompensieren, denn man gibt vieles in die Hände der Gäste oder – wenn es um das Backoffice geht – in die Hände von Technologie.

Was muss man als Arbeitgeber Ihrer Meinung nach der nächsten Generation an Mitarbeitern bieten, um sie wieder für den Hotelberuf zu begeistern? 

Ulrich Pillau: Wenn ich heutzutage Mitarbeiter gewinnen will, muss ich Ihnen eine Technologie anbieten, die Spaß macht, die sie gerne bedienen und leicht erlernen können. Und das, ohne sich durch hunderte Seiten Dokumentation oder Trainingsmaterial zu arbeiten. Eine Software, für die man tage- oder sogar wochenlange Schulungen benötigt, geht vollkommen an der heutigen Realität vorbei. Die modernen Systeme sind so einfach zu bedienen, wie die jüngere Generation das von ihren Endgeräten kennt. Ist dies nicht der Fall, dann hat man als Hotelier schnell ein Problem.

Ulrich Pillau: Einer unserer Kunden betreibt in einer europäischen Hauptstadt zwei Hotels direkt nebeneinander. Das eine läuft auf einem Legacy-PMS, das andere setzt eine moderne Plattform ein. Die Idee der Geschäftsleitung war, die Mitarbeiter regelmäßig zwischen den beiden Hotels auszutauschen, damit diese effizient in beiden Betrieben arbeiten können. Doch nach ein paar Wochen haben sich Mitarbeiter geweigert, mit der alten Technologie zu arbeiten. Sie war zu komplex und zu schwierig zu bedienen. Ich glaube, das ist ein gutes Beispiel. Wenn ich heute neue Mitarbeiter an Bord bekommen will, dann muss ich ihnen auch die technologischen Möglichkeiten anbieten, intelligent, schnell und einfach zu arbeiten. Und das betrifft alle Bereiche in einem Hotel und nicht nur die Software zum Einchecken. Es geht um das ganze Umfeld. Das wird ein wichtiger Treiber dafür sein, wen Hotels heute als Mitarbeiter gewinnen und auch behalten können.

Wie kann man Hoteliers die Angst nehmen, im laufenden Betrieb das PMS-System zu wechseln. Welche Art Beratung kann dem vorhergehen?

Ulrich Pillau: In der Vergangenheit war ein PMS-Wechsel sicher nicht einfach für Hotels. Oft hat das sehr lange gedauert und es war eine sehr komplexe Angelegenheit, bei der oft schief ging, was schief gehen konnte. Doch die moderne Technologie ist nicht nur viel einfacher zu bedienen, sondern auch ein Umstieg ist wesentlich einfacher geworden.

Momentan arbeiten wir mit einer Hotelgruppe, die ihre über 30 Hotels innerhalb von sechs Wochen von einem alten PMS weltweit umstellt. Das sind Geschwindigkeiten, die es bis jetzt noch nicht gegeben hat. Das geht nur so einfach und so schnell, weil die moderne Technologie und die integrierten Apps das erlauben. Es gibt genug Beispiele von Hotelgruppen und auch von mittelgroßen und inhabergeführten Hotels, die ganz ohne Ausfälle innerhalb kürzester Zeit von einem Legacy-PMS auf eine moderne Platform gewechselt sind. Dass Bedenken vorhanden sind, das muss man anerkennen und dafür gibt es auch gute Gründe aus der Vergangenheit. Doch heute läuft das komplett anders. 

Ulrich Pillau: Nach wie vor sollte man einen PMS-Wechsel gut planen. Man sollte entweder die nötigen Ressourcen im Haus haben, die sich um dieses Projekt kümmern, oder man engagiert einen Change Management Consultant, der Hotelgruppen hilft, das richtig vorzubereiten und umzusetzen. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Beratern in verschiedenen Ländern zusammen und haben gute Erfahrungen gemacht.

Die Herausforderung liegt bei einem PMS-Wechsel weniger im Technologischen als im Verschlanken und Vereinfachen von bekannten Prozessen. Mit so einem Wechsel hat man die Möglichkeit, sich neu aufzustellen. Jeden Prozess sollte man sich genau anschauen, ob er überhaupt noch Sinn macht. Ist er noch zeitgemäß oder kann ich das auf eine moderne Art lösen und kann die Technologie das übernehmen? Das Change Management bezieht sich auf die ganze Vorbereitung und Umsetzung. Und das hat hauptsächlich mit der Operations, mit der Distribution und mit dem Revenue Management zu tun. Es umfasst also das ganze Umfeld. Ich sehe da die Problematik weniger auf der technischen Seite als in der Einstellung dazu. Und die Grundlage sollte stets das positive Erlebnis für die Gäste sein. 

Welche Meilensteine konnte Apaleo zuletzt erreichen und wie kann die Plattform dazu beitragen, dass Hotels weiterhin erfolgreich in der sich ständig verändernden technologischen Landschaft agieren können?

Ulrich Pillau: Apaleo wurde 2017 gegründet und von Anfang an als eine echte Property Management-Plattform entwickelt, die komplett nach außen offen und deren Funktionalitäten 100% über APIs erreichbar ist. Das ist etwas vollkommen anderes als eine sogenannte all-in-one Softwarelösung auf die man später Schnittstellen oder APIs aufsetzt. Plattformentwicklung benötigt sehr viel mehr Zeit, Ressourcen, Investment und Geld. Wir haben uns diese Zeit genommen und konnten trotzdem bereits im Gründungsjahr die ersten Hotels und Hotelgruppen mit Apaleo bedienen. 

Natürlich weiß niemand, wie sich der Hotelmarkt ohne Corona entwickelt hätte. Doch wir hatten bei Apaleo zwei Rekordjahre in Folge und haben bis Ende 2023 alle unsere Pläne bezüglich Wachstum und Kunden umgesetzt und realisiert. Besonders die neuen sogenannten “Accommodation Provider” wie Limehome oder Numa, deren Strategie ja auf Technologie basiert, haben verstanden, dass ihnen eine alte PMS-Umgebung nicht die Freiheit gibt wie eine Plattform, auf der sie auch eigene Anwendungen oder Komponenten entwickeln können. Und dazu braucht man nicht mal große Entwicklerteams, weil die Apaleo-Plattform außer über App-Anbindung auch mit dem Low-Code-No-Code-Prinzip arbeitet und an dementsprechende Tools angebunden ist. Unsere Kunden können darüber viele Prozesse ganz einfach an Ihre Bedürfnisse anpassen oder mit Hilfe von Modulen etwas Neues bauen, ganz ohne spezifische Software Entwicklungen. 

Wir haben Apaleo von Beginn an als Multiproperty-Produkt entwickelt. Das kommt uns jetzt zugute, denn es zeigt sich momentan, dass der Markt bei Hotelgruppen das klar einfordert. Von globalen Hotelketten bis hin zu individuellen Hotels und Hotels, Apartmenthäusern, Campingplätzen und Airbnb-ähnlichen Anbietern profitieren ebenfalls von Apaleo, da die Plattform extrem flexibel ist. Was wir über die Plattform wirklich gut bedienen, sind Funktionalitäten wie Distribution, Raten, Verfügbarkeit, Reservierungen, Zahlungsabwicklung, und Accounting Transactions. Unsere Kunden stellen sich über die Plattform für diese Prozesse im Nu ihren eigenen Techstack zusammen. Entweder mit fertigen Apps aus unserem Apaleo Store oder eben mit eigenen Lösungen wie z.B. einer Booking Engine. Es gibt viele Wege, die hier zum Ziel führen.

Ulrich Pillau ist Gründer und Geschäftsführer von Apaleo, dem in München ansässigen Cloud-Plattform-Anbieter der nächsten Generation für die Hotellerie. Zuvor war er am Aufbau mehrerer Softwareunternehmen im Hotel- und Reisebereich beteiligt, u.a. für Fidelio. Für IDeaS, das weltweit erfolgreichste Yield & RMS System für Hotelketten und Hotels, leitete er das gesamte Geschäft in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten und war Teil der weltweiten strategischen Führung von IDeaS.

Willkommen

bei The Connected Guest!

Sind Sie bereit, Ihr Geschäft in die digitale Ära zu führen und zu den erfolgreichen Innovatoren der Branche zu gehören? The Connected Guest ist die Wissensquelle für Gastronomie- und Hotelbetreiber, wenn es um die digitale Transformation des Betriebes geht.

Wir bieten Ihnen wertvolle Einblicke, praktische Ratschläge und inspirierende Fallstudien, um Ihnen bei der Implementierung zukunftsweisender Technologien und der Optimierung des Kundenerlebnisses zu helfen.

Gibt es Neuigkeiten über Ihr Unternehmen, die Sie teilen möchten? Senden Sie uns Ihr Pressematerial an news@theconnectedguest.com oder berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen und Fortschritten bei der digitalen Transformation im Gastgewerbe.
 

Werden Sie Teil der digitalen Revolution in der Hotellerie und Gastronomie!

Bernhard Lermann

Chefredakteur

  • Facebook
  • Twitter
  • LinkedIn
  • Instagram
austin-distel-7uoMmzPd2JA-unsplash.jpg

Gestalten Sie die digitale Zukunft des Gastgewerbes

Beginnen Sie die Reise in die Transformation der Branche hier! Erhalten Sie regelmäßig wertvolle Artikel, Tipps und Trends, die Ihnen dabei helfen, Ihr Geschäft erfolgreich zu digitalisieren.

Danke für Ihre Anmeldung!

Mit starken Case Studies zum Vordenker werden

Jeder sollte wissen, wie Sie Ihrer Branche leisten. Machen Sie aus Ihren herausragenden Kundenprojekten überzeugende Erfolgsgeschichten, mit denen Sie Vertrauen schaffen und neue Leads gewinnen.

bottom of page